Mit seinen Singles "Ein Fuß vor den andern" und "Zufall" hat Apsilon auch 2023 bereits zweimal eindrucksvoll bewiesen, warum er zweifelsohne der begnadetste Lyricist der New Gen sein dürfte. Nicht weniger beeindruckend: Die bisherige Discografie des Rappers aus Berlin-Moabit, die neben Features und Zusammenarbeiten mit Bazzazian, Xaver, Wa22ermann und Ahzumjot vor allem aus den 2021 und 2022 veröffentlichten EPs "Gast" und "32"-Zähne besteht. Für alle Liebhaber und Sammler droppt das FOUR-Music-Signing beide Releases jetzt zum ersten Mal auf einer 12-Inch.Die "Gast"-EP nimmt dabei einige Erfahrungen der Generation der Gastarbeitenden, um sie als Widersprüche zwischen Schmerz und Hoffnung wieder auszuspucken. Sie verarbeitet die falschen Versprechen der Gastfreundschaft, die Gastarbeitenden gemacht wurden und zeigt den Trotz einer jüngeren Generation, die sich nicht in das Bollwerk von Volk, Kapital und Menschenverachtung integrieren will. Apsilon ist kein Besserwisserrap, kein Straße 2.0 und kommt ohne Drogenverherrlichung, blinden Hedonismus oder Frauenverachtung aus. Gleichzeitig klammert er sich nicht aus, sondern agiert als Teil dieser jungen, vielversprechenden, kaputten Gesellschaft, die in Widersprüchen lebt und nach allen Enttäuschungen der vorherigen Generationen gesellschaftlich und musikalisch etwas Eigenes schaffen will. Keine austauschbare Playlistkopie, keine althergebrachten Muster, recycelten Soundbilder, Gesten, Flows. Er muss nicht verkrampft oder peinlich ein junges Publikum ansprechen, er und seine Freund*innen sind das junge Publikum.Apsilon ist in den Parks von Berlin mit dem Sound von HipHop und Basketballcourts aufgewachsen, studiert mittlerweile Medizin. Seine Sprache ist kanakisch und dabei akkurat, gekonnt, selbstsicher. Brachial wie seine tiefe Stimme. Er redet unangestrengt, wie viele migrantisierte Menschen aus Berlin reden. In seinen Texten isst er Köfte, hasst Cops und klagt Almanya an. Kes, lass stecken, die Jugend hat die Lügen gecheckt. Er zeigt klare Kante gegen Ausbeutung und Unterdrückung, nutzt seine Musik aber nicht als Agitationsmittel für eine politische Vision. Er will originelle Musik machen, nichts das sich dem musikalischem Tagesgeschäft im Deutschrap anbiedert. Die Inspiration, die Arda aus Künstler*innen wie Kendrick Lamar zieht, ist das viel beschworene Gesamtpaket: tiefe Musikalität, Verbundenheit zur Community, lyrische Komplexität und Produktion, sowie Storytelling einfach aussehen lassen und zeitgleich Kunst machen, die Unterdrückte stärkt und unterdrückerische Strukturen angreift.Eine Einstellung, die der Newcomer im letzten Jahr auch auf seiner "32 Zähne"-EP konsequent fortführte. Die sieben Songs zeigten einen Künstler, der seine junge kanakische und migrantisierte Menschen auf seinem musikalischen Weg empowern, aber vor allem Lebensrealitäten und Verhältnisse erfahrbar machen, unbequem sein, den Status Quo musikalisch und gesellschaftlich auf links drehen will. Durch Kunst, durch ein Mosaik aus modernen Beats und zornig ausgespuckten Raps, nicht durch Vorbildhaltung oder Lehrattitüde. Die Wut ist das Rückgrat, die sich durch die Musik zieht. Wegen Hanau, wegen den Progromen der 90er, wegen der andauernden Ausbeutung, der auch die eigene Familie als Gastarbeitende nicht entfliehen konnte. Daraus macht Apsilon keine melancholische oder resignative Musik, sondern basteltpotentielle Katalysatoren, damit andere Menschen den eigenen widerständigen Funken in sich entdecken.